tVNS® aktiviert den natürlichen Kommunikationsweg des Körpers zwischen Körper und Gehirn und unterstützt durch sanfte, wiederholte Stimulation die Stimmungsregulation, die Stressverarbeitung, die Schmerzwahrnehmung, das Entzündungsgleichgewicht und die Neuroplastizität.
Die Abkürzung tVNS® steht für transkutane Vagusnervstimulation. Transkutan bedeutet „durch die Haut“. Was durch die Haut elektrisch stimuliert wird, ist ein Ast des Vagusnervs in der Ohrmuschel. Es handelt sich bei der tVNS also um eine nicht-invasive Behandlung, die mobil zu Hause angewendet werden kann.
Der Vagusnerv ist ein wichtiger Nerv, der viele Körperfunktionen beeinflusst – unter anderem Stimmung, Stressverarbeitung, Schlaf, Herzfrequenz und Schmerzempfinden. Bei der tVNS wird der Vagusnerv an einem speziellen Ort am Ohr, der sogenannten Cymba conchae, mit sanften elektrischen Impulsen angeregt.
Die transkutane Vagusnervstimulation nutzt also einen natürlichen Kommunikationsweg zwischen Körperstamm und Gehirn: den Vagusnerv. Dieser Nerv beinhaltet Fasern, die sowohl sensorische Informationen aus den Organen zum Gehirn leiten kann, als auch Fasern, die in die entgegengesetzte Richtung Signale von dem Gehirn an die Organe übermitteln kann.
Durch die sanfte elektrische Stimulation werden Signalwege aktiviert, die Einfluss auf verschiedene Botenstoffe (Neurotransmitter), Regulation des autonomen Nervensystems und die Anpassungsfähigkeit des Gehirns (Neuroplastizität) haben.
Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, mit denen Nervenzellen miteinander kommunizieren. Die Aktivierung des Vagusnervs kann indirekt die Freisetzung mehrerer wichtiger Neurotransmitter beeinflussen:
Dies spielt eine zentrale Rolle in:
tVNS® aktiviert Hirnareale, wie den Nucleus raphe dorsalis der sich aus serotonergen Nervenzellen zusammensetzen. Dadurch kann vermehrt Serotonin freigesetzt werden und wirken, ähnlich wie bei manchen Antidepressiva – allerdings ausgelöst über die Aktivierung körpereigener Signalwege und nicht durch dem Körper zugeführte Medikamente.
Dies beeinflusst:
Über Verbindungen zum sogenannten Locus coeruleus, einer Region des Hirnstamms, kann tVNS® die Noradrenalin-Regulation stabilisieren.
Das kann helfen, übermäßige Stressreaktionen zu dämpfen, ohne wach oder nervös zu machen.
Der Vagusnerv ist der Hauptnerv des parasympathischen Nervensystems. Eine Aktivierung dessen, hat somit auch eine Aktivierung des parasympathischen Nervensystems via den Neurotransmitter Acetylcholin zur Folge.
GABA und Glutamat regulieren das Gleichgewicht zwischen:
Studien deuten darauf hin, dass tVNS® dieses Gleichgewicht in Richtung mehr neuronale Stabilität verschieben kann,
wichtig bei Angst, Schmerzen und Übererregung.
Der Vagusnerv ist ein zentraler Bestandteil des sogenannten parasympathischen Nervensystems – dem „Ruhe- und Regenerationssystem“ des Körpers.
...die Stresshormon-Ausschüttung (z. B. Cortisol) sinken
...die Herzfrequenzvariabilität steigen (bedeutet eine gesteigerte Anpassungsfähigkeit und dadurch verbesserte Stressregulation)
...die entzündungshemmende Wirkung des Körpers aktiviert werden (man spricht vom cholinergen anti-inflammatorischen Signalweg) Das ist besonders relevant, da chronischer Stress und stille Entzündungen bei vielen neurologischen und psychischen Erkrankungen eine Rolle spielen.
Ein besonders spannender Aspekt der tVNS® ist ihr möglicher Einfluss auf die Neuroplastizität.
Neuroplastizität beschreibt die Fähigkeit des Gehirns:
Bei Erkrankungen wie Depressionen oder chronischen Schmerzen sind oft ungünstige neuronale Schleifen aktiv (z. B. negative Bewertung der eigenen Umgebung, Schmerzgedächtnis, Übererregung).
Durch die wiederholte Aktivierung bestimmter Hirnnetzwerke kann tVNS® beitragen zu:
Vereinfacht ausgedrückt: tVNS® erleichtert das Erlernen stressresistenterer Reaktionen und überschreibt dadurch alte Verhaltensmuster.
Deshalb wirkt sie nicht sofort wie ein Schmerzmittel, sondern entwickelt ihre Effekte über Zeit und Wiederholung.
Die transkutane Vagusnervstimulation kann:
tVNS® wirkt damit nicht symptomunterdrückend, sondern regulierend – als Unterstützung für das unbewusst gesteuerte Nervensystem.
Die Anwendung der tVNS® ist sehr einfach. Sie erhalten mit der Lieferung alles was Sie zur Anwendung benötigen, inklusive einer ausführlichen Beschreibung und eines Anwendungsvideos. Für Rückfragen steht unsere Kundenbetreuung aber natürlich immer bereit. Und so wenden Sie die tVNS® an:
tVNS® greift an einem zentralen Steuerungssystem des Körpers an: dem Vagusnerv. Dieser beeinflusst unter anderem Stressreaktionen, Stimmung, Schmerzverarbeitung und Entzündungsprozesse. Als ergänzende Therapie kann tVNS®:
Gerade bei chronischen Erkrankungen, bei denen mehrere Faktoren zusammenwirken, kann ein solcher ganzheitlicher Ansatz sinnvoll sein.
Die invasive Vagusnervstimulation (iVNS) erfordert die operative Implantation eines Stimulators. Die transkutane Vagusnervstimulation (tVNS®) verfolgt dasselbe Grundprinzip, jedoch ohne chirurgischen Eingriff. Daraus ergeben sich mehrere wichtige Vorteile.
Es gibt eine Stelle am menschlichen Körper, an der der Vagusnerv besonders nah unter der Haut liegt. Diese Stelle befindet sich im oberen Bereich der Ohrmuschel und nennt sich Cymba conchae. In dieser kleinen Vertiefung verlaufen ausschließlich Äste des Vagusnervs unter der Haut, es liegt also eine 100%-ige Innervation des Vagusnervs vor. Durch die oberflächliche Lage des Vagusnervs in der Cymba conchae, ist dieser Bereich besonders geeignet für die nicht-invasive Stimulation des Vagusnervs – ganz ohne Operation. Bei tVNS® werden in der Cymba conchae afferente Äste des Vagusnervs adressiert – also Nervenfasern des Vagusnervs, welche Informationen vom Körper zum Gehirn leiten. Das erklärt, warum die Stimulation starke Effekte auf zentrale Prozesse im Gehirn haben kann. Der Vagusnerv stammt entwicklungsgeschichtlich aus Nervensystemen phylogenetisch alter Wirbeltiere. Bereits bei frühen Fischen und Amphibien gab es:
Im Laufe der Evolution wurden diese Strukturen umfunktioniert, verlagert und spezialisiert. Der Ohrast des Vagusnervs ist ein Relikt dieser alten Verschaltungen.
Das tVNS® E ist das derzeit einzige transkutane Vagusnervstimulationsgerät, welches nach neuer Medizinprodukterichtlinie (MDR EU 2017/745) in Europa zugelassen ist. Das tVNS® E ist explizit für die Indikationen Epilepsie, chronische Migräne, Depressionen und Prader-Willi-Syndrom zugelassen.
Epilepsie: Reduzierung der Anfallshäufigkeit während der tVNS® im Vergleich zur Phase vor der Intervention um mindestens 25 %, nach einer Behandlungsdauer von 20 Wochen. (Bauer et al. 2016)
Depression: Reduzierung des Depressionsspezifischen HAMD-Scores um mindestens 2-3 Punkte bei erwachsenen Patient:innen bei gleichzeitiger Anwendung mit psychopharmakologischen und psychotherapeutischen Behandlungen nach einer Behandlungsdauer von 9 Wochen. (Melis et al. 2020: Evensen et al. 2022)
Chronische Migräne: Reduzierung der Häufigkeit von Migränetagen um 50 % nach einer Behandlungsdauer von 12 Wochen. (Straube et al. 2015)
Prader-Willi-Syndrom: Reduzierung der durchschnittlichen Anzahl von Wutausbrüchen pro Tag im Vergleich zur durchschnittlichen Anzahl von Ausbrüchen pro Tag in einer Phase vor der Intervention um mindestens 50 % nach einer Behandlungsdauer von 12 Monaten. (Manning et al. 2019)